Designer im Fokus #5: Tom Ford

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Modedesigner wie Tom Ford sind meistens viel mehr als nur Modedesigner. Sie sind visuell orientierte Künstler mit vielen Talenten, die sich im Bereich Mode besonders hervortun. Tom Ford aber ist auch ein erfolgreicher Parfümdesigner, ein Regisseur und ein Filmemacher, der einen viel beachteten Spielfilm mit bekannten Hollywoodgrößen realisiert hat. Wer weiß, was die Welt von ihm später noch zu sehen bekommt.

Ein künstlerischer Lebensweg beginnt

Thomas Carlyle Ford, kurz Tom genannt, erblickte am 27. August 1961 in der Stadt Austin in Texas das Licht der Welt. Aufgewachsen ist Tom Ford allerdings in Santa Fe im US-Bundesstaat New Mexico. Offensichtlich hatte der junge Tom Ford bereits eine starke Affinität zur Kunst. Nur die Richtung war nicht sofort klar. Das wurde sichtbar, als Ford ein Kunstgeschichts-Studium wieder aufgab und sich stattdessen einem Architekturstudium widmete. Er begann dieses 1986 in den Staaten und wählte die „Parsons School of Design“. Ford beendete sein Studium jedoch an der französischen Dependance der „Parsons School of Design“ in der Modehauptstadt Paris. Möglicherweise war das der entscheidende Kick in Richtung Mode. Immerhin benannte Tom Ford bereits damals sein große Vorbild in der Mode- und Parfümbranche: Niemand geringeren als Calvin Klein. Das abgeschlossene Architekturstudium hinderte Tom Ford nicht daran, im Anschluss an seinen Universitäts-Abschluss bei verschiedenen Modemachern als Designer anzufangen. Um dort eine Chance zu erhalten, soll Ford ziemlich viel Charme aufgewendet haben. Sein Weg führte von der US-Designerin Cathy Hardwick zu Perry Ellis. Dieser gab Tom Ford den Rat, seinen modischen Fokus nach Europa zu verlagern. Damit sollte er Recht behalten. Die große Chance für Ford kam, als die damalige Kreativdirektorin des fast bankrotten italienischen Modehauses Gucci seine Talente 1990 entdeckte. Sie holte ihn nach Mailand, damit er dem damals finanziell stark angeschlagenen Modelabel neuen Wind unter die Flügel geben sollte.

Der Erfolgsweg ist eingeschlagen

Tom Ford wurde so zum „Womenswear-Designer“ bei Gucci und durfte nichts weniger, als Gucci in den nächsten Jahren ein neues Image und eine neue stilistische Richtung zu verpassen. Ford machte seine Sache so gut, dass man ihn 1992 zum „director of design“ und zwei Jahre später zum Kreativdirektor beförderte. Den künstlerischen Durchbruch erlebte er aber erst 1995. Das Haus Gucci erlebte durch Ford seine Auferstehung und erhob sich nach der von Ford installierten Rundum-Erneuerung wie der Phönix aus der Asche. Unterstützt wurde die Neuinszenierung des Modelabels durch die Anzeigenkampagne, die der peruanischen Starfotograf Mario Testino fotografierte. Nun besaß das finanziell angeschlagene Label den Glamour-Faktor, der ihm trotz allen einstigen Ruhms immer gefehlt hatte – und Tom Ford war ein gemachter Mann. Die Modewelt konnte das wieder auferstandene Modelabel fortan nicht mehr ohne ihn denken. Das kam dem Wert der Marke ebenso zugute wie ihm selbst. Neben Mode wagte sich der mittlerweile zum Stardesigner aufgestiegene Ford auch an Duftkreationen, wie es in der Modebranche nicht unüblich ist. Seine Duftkreationen ließ Ford schon damals mit provokativen, gewagten, lasziv-anzüglichen und kontrovers diskutierten Werbekampagnen bewerben.

Die Erweiterung der Horizonte

Wer auf der Stelle stehen bleibt, die er erreicht hat, erweitert seinen Horizont nicht. Stillstand ist in der Modebranche undenkbar. Neue Impulse erbrachte für Gucci die Einverleibung von „Yves Saint Laurent“. Tom Ford war nun als Kreativdirektor für die Linie zweier weltbekannter Modelabel zuständig. Das bedeutete eine große Verantwortung, aber auch ein breites Feld, auf dem sich seine kreativen Talente entfalten konnten. Seine Arbeit umfasste nun auch Einflussnahme auf die Werbekampagnen beider Label oder das Store-Design. Unter anderem lancierte Tom Ford die Duftkreationen „Opium“ and „M7“ für das Label YSL. Auch diese ließ er mit provokativen Werbekampagnen am Markt einführen. Doch das Label „Yves Saint Laurent“ entwickelte sich nicht so, wie gewünscht. Ob das allerdings der ausschlaggebende Anlass für Tom Ford war, Gucci 2003 zu verlassen und den Präsidenten der Gucci-Group gleich mitzunehmen, weiß niemand. Viel wahrscheinlicher ist, dass Ford mehr kreative Freiheit haben wollte. Diese fand er 2005 in seinem eigenen Label, das er allerdings in den USA gründete. Unter seinem eigenen Namen, der mittlerweile bekannt genug geworden war, entwarf Tom Ford Kollektionen nach seinem eigenen Gusto. Er spezialisierte sich auf Herren- statt auf Damenbekleidung. Zeitgleich schloss er einen Partner-Vertrag mit „Estee Lauder“ für die Entwicklung von Kosmetika und Duftkreationen. Die erste Kollektion wurde 2006 auf die Laufstege geschickt, zugleich kam der „Estee Lauder“-Duft „Black Orchid “ in die Regale. Der erste Flagship-Store in New York war ein weiterer Meilenstein auf Fords Erfolgsweg. Die von ihm entworfenen Accessoires, unter ihnen Düfte oder Sonnenbrillen, festigten Fords Ruf. Ford gelang es mit seinem eigenen Label bereits in seinem ersten selbstständigen Jahr, in der Modewelt zu überzeugen. Zudem hat seine kreative Partnerschaft mit Estee Lauder seither zahlreiche erfolgreiche Düfte auf den Weg gebracht. Der preiswerten „Signature“-Duftlinie stellte Ford die anspruchsvolle „Private Blend“-Reihe gegenüber. Dies glänzte durch anspruchsvolle Düfte wie „Tobacco Vanille“, „Oud Wood“, „Bois Marocaine“ oder „Tuscan Leather“. Typisch für Toms Fords Düfte sind vergleichsweise schlichte Flacons und schrille Werbekampagnen mit Sexappeal.

Neue Wege zu wagen, belebt das Leben

Tom Ford ist ein Name, der Erfolge in mehr als einem Genre verspricht. Zur Überraschung aller Modefans bewies sich der talentierte Modedesigner 2009 auch als Regisseur eines Spielfilms. Sein Film „A Single man“ mit Julianne Moore und Colin Firth in den Hauptrollen wurde zu den Filmfestspielen in Venedig eingeladen und erhielt sogar eine Oscar-Nominierung für Colin Firth. Tom Ford lebt seit 1987 in stabiler Beziehung mit einem Modejournalisten zusammen und zieht mit ihm zusammen einen Sohn groß, der 2012 geboren wurde.